Archiv des Autors: dortmundnazifrei

Unsere neue Webseite ist fertig und online

Liebe Freundinnen und Freunde,

wir freuen uns euch heute mitteilen zu können, dass wir unsere neue Webseite fertiggestellt haben.

Ihr erreicht uns wie gewohnt unter den beiden bekannten Adressen:

Wir haben alle Artikel und Kommentare übernommen, sodass alles wie gewohnt weiterlaufen kann. Dieses Blog wird noch einige Zeit online bleiben, werden aber neue Artikel nur noch auf unserer neuen Webseite veröffentlichen.

Wir freuen uns auf euer Feedback.

Dortmund Nazifrei

Hirsch-Q-Prozess – Neues Beweismaterial aufgetaucht.

qlogoFür den Prozess des Übergriffes auf die Gaststätte Hirsch-Q ist heute (18.11.2013) eine Bombe geplatzt.

Nachdem der Inhaber der Bar Herr S. zur Vernehmung mit seiner Anwältin vorgeladen wurde legte er, nach einer kurzen Schilderung wie er auf die Geschehnisse die sich in seiner Gaststätte ereignett hatten aufmerksam gemacht wurde, dem Gericht eine frisch gebrannte CD vor auf der sich das komplette Video des Tatherganges von den Überwachungskameras befindet.

Die Situation im Gerichtssaal geriet nun in völlige Konfusion. Während einigen Angeklagten nun die schiere Unbegreiflichkeit der nun auf sie zukommenden Verhandlung aus dem Gesicht abzulesen war, entglitt vielen der Strafverteidiger als auch der Staatsanwaltschaft die Gesichtszüge. Zudem folgte noch die Aussage des Zeugen das er, auf anraten der damaligen Pressesprecherin der Oberstaatsanwaltschaft Frau H. das Video geschnitten zu Verfügung gestellt hätte, um die Persönlichkeitsrechte seiner Gäste zu waren. Diese Aussage sollte noch im Laufe des Gerichtsprozesses für viel erstaunen und Unglaubwürdigkeit.

Im Laufe des Prozesses wurden nun alle bisherigen Erkenntnisse neu gemischt.

Auch die noch im Anschluss vernommenen Polizeibeamten von denen zwei sich um die Sicherung von möglichen Videomaterial von Überwachungskameras der Umgebung kümmern sollten(wie das nicht mehr zu Verfügung stehende Video des Konzerthauses, welches von seinen Sicherheitsbeamten nicht korrekt gesichert wurde) merkte man an das sie keine Antworten darauf hatten warum sie den Besitzer der Hirsch -Q nicht noch einmal nach dem Video befragt hatten, obwohl dieser der Polizei sogar einen Downloade des gesamten Videos mit undeutlich gemachten Gesichtern seiner Gäste einige Tage nach seiner Befragung angeboten hatte.

Die Verteidigung der Angeklagten versuchte noch den geladenen Polizeibeamten S. schlechte Arbeit in Form Ihrer Recherche zu dem Video als auch der Übergabe-Wegen wie auch Manipulation am Gerichtsprozess-Verlauf vorzuwerfen. Auch Strafverteidiger Herr Picker versuchte vehement, die Existenz eines Schildes über die Information der Videoüberwachung im Eingangsbereich der Hirsch-Q zu fassen, als auch die Frage nach dem Winkel der Aufnahme zum öffentlichen Raum zu bestimmen. Klar wird hier einmal wieder, wie versucht wird nun verwertbares Beweismittel des Gerichtsprozesses, was zu einer Verurteilung der Angeklagten führen könnte, anzufechten. Letztendlich wurde die Vernehmung der Polizeibeamten S. und S. vertagt, da ihre Antworten zu den Fragen des Gerichtes aufgrund der neueren Beweislage anders ausfallen könnten.

Zur nächsten Vernehmung soll die ehemalige Pressesprecherin Frau H.  sowie zwei weitere Polizeibeamte geladen werden. Es bleib daher Spannend abzuwarten wie sich der Prozess weiter entwickeln wird.

Nächster Termin Montag der 25.11 um 10.30Uhr

Hirsch-Q Prozess (10. Verhandlungstag)

DIGITAL CAMERAAm 10. Verhandlungstag (9.10.2013) des „Hirsch-Q Prozesses“ wurden zwei Zeugen vernommen, die, bedingt durch die lange Zeit, die seit dem Tatvorgang vergangen ist, große Erinnerungslücken hatten.

Als erstes wurde Zeuge Dennis K. verhört, der nach einem Fußballspiel am Tatabend mit ein paar Freunden in die „Hirsch-Q“ gegangen war. Der Zeuge berichtete, er und seine Freunde hätten die Kneipe verlassen, um in eine andere Bar zu gehen, als sie plötzlich einen Knall und Geschrei hörten. K. habe gesehen, wie eine Gruppe von 6-10 Personen auf die Scheiben der „Hirsch-Q“ eintrat und an der Tür rüttelte. Er sagte auch, alle möglichen Gegenstände (Flaschen, Gläser und Stühle) wären zwischen den Angegriffenen und den Angreifern geflogen. Er habe auch gesehen, wie eine Person am Boden in einer Blutlache lag. Beim Anblick der beschriebenen Szene, sagte der Zeuge, wäre er in eine Seitengasse ausgewichen und habe die Polizei benachrichtigt.

Auf Nachfragen des Richters gab er an, er sei unsicher, ob vor der Auseinandersetzung schon Gäste vor der Kneipe gewesen wären, obwohl er nicht davon ausgehe. Zusätzlich sagte er, dass bei der angreifenden Gruppe Frauen dabei gewesen sein könnten. Die Männer hätten aber kurze Haare gehabt. Er könne sich aber nicht daran erinnern, dass Beteiligte Waffen bei sich gehabt hätten, glaubte aber sich erinnern zu können, dass Personen aus der Kneipe hinausgegangen seien. Der Richter verlas, dass der Zeuge bei seinem Verhör, drei Wochen nach der Tat, angegeben habe, dass die am Boden liegende Person aufgestanden wäre und den Hitlergruß ausgeführt hätte, um danach zusammen mit den anderen Mitgliedern der Gruppe zu flüchten. An dieses Detail konnte sich K. nicht mehr erinnern. Der Zeuge konnte allerdings auch beim Verhör schon keine*n der Täter*innen identifizieren.

Einige Fragen der Verteidigung an den Zeugen K. ergaben, dass er sicher sagen konnte, dass er in der Hirsch-Q keinen Baseballschläger gesehen habe. Auch habe er keine konkreten Parolen oder Ausrufe ausmachen können, die von der angreifenden Gruppe ausgegangen seien.

Der zweite Zeuge war der Polizeibeamte Marco R., der am Freistuhl einige der Angeklagten festgenommen hatte, da er von Kollegen, die an der Hirsch-Q waren darüber informiert worden war, dass sich eine Gruppe der an der Auseinandersetzung Beteiligten in ebendiese Richtung geflohen wäre. Auch dieser Zeuge konnte sich kaum mehr an die Vorgänge an besagtem Abend erinnern und wusste nicht einmal mehr genau, um welchen Fall es sich handelte, da er bereits an zwei Einsätzen beteiligt gewesen war, in denen es um Vorkommnisse an der Hirsch-Q ging. Er berichtete, er sei eingetroffen, nachdem einige seiner Kollegen eine Gruppe vermeintlicher Täter*innen an der Unterführung zum Dortmunder Hauptbahnhof festgenommen hätten. Auf Nachfrage des Richters gab er an, sich nicht mehr an mögliche Wunden der Festgenommenen erinnern zu können, auch sagte er, er habe nicht feststellen können, welcher Gruppierung die Personen angehörten. Er wusste nicht mehr, wer die Angeklagten festgenommen und belehrt habe. Der Richter bestätigte durch den Vermerk, den der Beamte an dem Abend verfasst und unterschrieben hatte, dass er tatsächlich am Einsatz beteiligt gewesen war und die Angeklagten ins Polizeigewahrsam gebracht hat, woraufhin sie von weiteren Beamten befragt wurden. Dem Aktenvermerk war zu entnehmen, dass er die Gruppe dem „rechten Spektrum“ zugeordnet hatte.

Nachdem die Verteidigung fragte, aufgrund welches Verdachts ihre Mandanten in den Arrest verbracht wurden, sagte der Zeuge aus, dass die Beschreibung der flüchtigen Täter, die die „Hirsch-Q“ angegriffen hatten, passte auf die Gruppe und auch ihre Fluchtrichtung habe übereingestimmt. Deswegen wären sie verdächtig gewesen und wären festgenommen worden.

Der Prozess wird am 16.10. ab 9.15 Uhr fortgeführt.

Hirsch-Q-Prozess Tag 9 (07.10.2013)

qlogoAm Montag fand der neunte Verhandlungstag im Hirsch-Q-Prozess im Landgericht Dortmund statt. Johannes J., der bei dem Prozess Nebenkläger ist, wurde als Zeugen vernommen. Er besuchte an besagten Abend die Hirsch-Q. Er sagte aus, dass er öfter mit seinem Freunden da war, an diesem Abend jedoch allein dort gewesen wäre.

Bevor es zu der Schilderung des Angriffs kam, betonte der Zeuge, dass er keine klare zeitliche Abfolge der Geschehnisse im Gedächtnis habe, da er immer noch traumatisiert sei.

Er sagte, er könne nicht genau sagen, wann er in der Hirsch-Q angekommen sei, doch es sei definitiv vor halb 12 gewesen, da ein Bekannter, den er vor Ort traf, um halb zwölf gegangen wäre.

Johannes J. berichtete, dass er sich im vorderen Bereich der Kneipe befand und dort mit einem weiteren Bekannten geredet habe. Plötzlich hätte es einen großen Knall gegeben, jemand habe „Nazi-Angriff“ gerufen. Außerdem wären Flaschen geflogen und die Gäste hätten sich im hinteren Teil der Kneipe in Sicherheit gebracht. Der Zeuge sagte aus, dass Durcheinander herrschte und die Menschen rein- und rausliefen. Danach bemerkte J., der von Innen durch die Fensterfront der Kneipe sah, eine Schlägerei draußen vor der Kneipe. Außerdem hätten draußen mehrere Personen mit Bomberjacken und Springerstiefeln vor der Tür gestanden.

Es wurden Rufe laut, dass jemand die Polizei rufen solle, woraufhin die Information zu ihm durchdrang, dass das geschehen sei. Auch rief jemand, die Eingangstür müsse zugehalten werden, woraufhin der Zeuge genau das versuchte, aber nach weiterer Hilfe rief, da von außen zwei Nazis versuchten die Tür aufzuziehen. Einer der Angreifer habe seinen Fuß umfasst um ihn zu Fall zu bringen, sagte der Zeuge, der andere habe am äußeren Griff der Tür gezogen.

Ein Angestellter der Hirsch-Q, Frank, der zuvor hinter der Theke gestanden hatte, soll laut Aussage des Zeugen, auf einmal einen Baseballschläger in den Händen gehalten haben und einem Angreifer auf die Finger und auf den Kopf geschlagen haben, um zu verhindern, dass es den Angreifern gelingt die Tür zu öffnen.

Danach ging Johannes J. in den hinteren Bereich der Kneipe und sah draußen zwei Frauen, die gegen die Fensterscheibe traten. Er wollte davon ein Video machen, doch der Speicher seines Handys hatte zu wenig Speicherplatz.

Auf dem Weg zur Toilette, die sich im Kellergeschoss befindet, bemerkte der Zeuge eine liegende Person mit dem Kopf nach unten vor der Theke, die angeblich zu den Angreifern gehörte. Johannes J. gab an, er habe angenommen, die am Boden liegende Person sei tot. Die Aussage über die am Boden liegende Person, deckt sich mit der Aussage vom Zeugen J. am achten Verhandlungstag.

Auf der Toilette bemerkte der Nebenkläger Schnittverletzungen am Schienbein und am Arm. Das Schienbein wies eine lange Schnittwunde auf, seine Hose war blutig und seine Brille kaputt. Später wurde er deswegen im Krankenhaus behandelt.

Außerdem erinnerte sich der Zeuge, dass eine Person draußen am Boden lag. Wer das war, wusste er nicht.

Zwei Monate später wurde Johannes J. von der Polizei vernommen, es wurden ihm zahlreiche Fotos gezeigt. Auf einem Foto erkannte er eine Angreiferin wieder, die nun auf der Anklagebank sitzt. Auch im Gerichtssaal sprach er von einer „starken Ähnlichkeit“ zwischen der Angeklagten und der, von ihm beobachteten Angreiferin, die gegen die Schreibe getreten hatte. Das veröffentlichte Video des Angriffs auf die Kneipe habe er sich nicht ansehen können, sagte der Nebenkläger. Darüber hinaus sagte der Zeuge aus, dass er unter verstärkten Angststörungen leide, die aber schon seit 2008 existierten. Nach dem Angriff habe er sich längere Zeit nicht alleine auf die Straße getraut. Nach diesem Abend besuchte der Zeuge noch zwei- oder dreimal diese Kneipe.

Den Prozessbeobachterinnen und –beobachtern stieß das Verhalten der Angeklagten während der Vernehmung sehr negativ auf. Jan und Sven K. lachten über die Äußerungen des Nebenklägers, verspotteten ihn durch Gestik und Mimik und zeigten besonders ihre selbstdarstellerische Haltung. Der Zeuge zeigte sich mehrfach schockiert über diese Tat und beteuert, so etwas habe er noch nie zuvor erlebt. Die Angststörung und das Trauma des Nebenklägers nahmen die Angeklagten und die wenigen Nazis im Publikum zum Anlass, gespielt mitleidige Mienen aufzusetzen und dümmlich zu lachen und zu grinsen.

Der nächste Verhandlungstag ist der 09.10.2013 um 12 Uhr. Treffpunkt derer, die den Prozess beobachten möchten, ist um 11.30 Uhr

Ausstellung „Rechtsextreme Gewalt in Deutschland von 1990 bis 2013“

mkkFotografien und Texte von Sean Gallup

Am Sonntag den 29, September habe ich die Ausstellung „Rechtsextreme Gewalt in Deutschland von 1990 bis 2013“ im Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte besucht und möchte euch meine Eindrücke schildern. Dort werden noch bis zum 27. Oktober insgesamt 21 Bilder von Sean Gallup ausgestellt, die mit einem dazugehörigen wirklich guten Begleitheft, die Geschichten hinter den Fotos erzählen.

Beim betreten des wirklich kleinen Bereichs der Ausstellung machte sich bei mir erst mal Ernüchterung breit. Erwartet hatte ich etwas Anderes, etwas Größeres. Wie falsch mein erster Eindruck war, soll dieser Bericht vermitteln.

Die Bilder sind fortlaufend nummeriert und in dem Begleitheft findet sich zu jedem Bild die dazugehörige Geschichte. Und das sind eindrückliche, teils extreme Geschichten, die tief berühren. Von Opfern und von Tätern. Von Einsichten, von Reue und von Hilflosigkeit.

Da ist der Imbissbudenbesitzer, der bei einem Brandanschlag seinen Imbissstand verlor und Mithilfe von lokalen Behörden und Opferverbänden, die Spenden für ihn sammelten, seine Imbissbude wieder aufbauen konnte. Er sagt: „Irgendwas stimmt nicht mit der Politik“. Oder die von Bernd „Stippi“ Köhler, der nach einem Faustschlag und darauf folgend mehreren Fußtritten gegen den Kopf von Sven P. verstarb. Um die Tat zu verwischen, versuchte Sven die Leiche zu verbrennen.

Auch die Geschichte einer Aussteigerin wird erzählt. Wie sie in die Szene geriet, was sie dort erlebt und empfunden hatte. Wie sie langsam merkte, dass irgendwas nicht richtig war und schließlich, während eines Aufenthaltes in U-Haft in Kontakt mit „Exit Deutschland“ kam, die ihr dabei halfen, endgültig aus der Szene auszusteigen.

Die Morde der „NSU“ werden ebenfalls thematisiert. Gallup schreibt hierzu: „Die Morde stellen eine neue, tragische und mörderische Dimension rechter Gewalt in Deutschland das und werden wohl als eines der dunkelsten und beschämendsten Kapitel in der Geschichte der deutschen Strafverfolgungsbehörden eingehen“.

Das sind vier Beispiele für die Geschichten zu den Bildern, die er mit seinen Texten in dem Begleitheft eindrucksvoll schildert. Er gibt keine Antworten. Einer der Gründe, warum ich das Museum nachdenklich und mit einem beklemmenden Gefühl nach zwei Stunden verlassen habe.

Einen Kritikpunkt habe ich allerdings. Ich finde es sehr schade, dass der Mord aus dem Jahr 2005 an „Schmuddel“ alias Thomas Schulz nicht thematisiert wurde. Wäre damit doch ein direkter Bezug zum Jetzt möglich gewesen. Sein Mörder Sven K. sitzt aktuell vorm Landgericht Dortmund im sogenannten Hisch-Q-Prozess auf der Anklagebank. Dort wird der Überfall einer Gruppe von Nazis auf das Dortmunder Szenelokal verhandelt. An dem unter anderem auch Sven K. und sein Bruder beteiligt gewesen sein sollen.

Begleitprogramm zur Ausstellung

Lesung “Mutterkorn” am 10.10. um 19:30 im Fritz-Henßler-Haus

Folder Mutterkorn_Layout 1Am 10.10.2013 liest Leonhard Seidel aus seinem Roman „Mutterkorn“ im Fritz-Henßler-Haus.

Durch die Morde des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ ist die Problematik rechter Gewalt in das Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. Der Autor Leonhard F. Seidl setzte sich in seinem Roman „Mutterkorn“ bereits vor dem Bekanntwerden der Ereignisse um den NSU mit Gewalt und rechter Gesinnung von Jugendlichen auseinander. Spannend und intelligent geschrieben liest sich „Mutterkorn“ wie eine Mischung aus Krimi und sozialkritischem Entwicklungsroman. Er liefert damit nicht nur Jugendlichen Stoff für intensive Auseinandersetzungen und kontroverse Diskussionen.

Die DGB-Jugend und der Jugendring Dortmund laden zu diese Autorenlesung in das Fritz-Henßler-Haus am 10.10. 2013 um 19:30 Uhr ein.

 

Ach ja und für ungebetene Gäste noch dieser Hinweis:

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen,die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Der Hirsch-Q-Prozess, Tag 7

DIGITAL CAMERAAm heutigen Montag (09.09.2013) fand der7. Verhandlungstag im Hirsch-Q-Prozess im Landgericht Dortmund statt.

Vernommen wurde heute der Nebenkläger und Geschädigter A.

A. berichtete, dass er an jenem Tag vor drei Jahren (an seinem Geburtstag) mit drei Kumpels erst in der Metallkneipe “Die Burg” war um danach zum kickern in die HirschQ zu ziehen. Während seine Freunde am Kicker spielten, saß er am Thresen bis der Ausruf “Naziangriff” kam. Daraufhin wäre alles sehr schnell gegangen. Er hörte einen Knall gegen die Scheibe, konnte aber nicht erkennen ob es sich um Tritte handelte oder ob etwas geworfen wurde. Die Scheibe hätte danach jedenfalls Risse aufgewiesen. A. zog sich erst schützend einen Hocker vor den Körper und vor das gesicht, ehe er mit einer weiteren Person an der Tür zog, damit diese nicht von außen geöffnet werden konnte. Im polizeilichen Protokoll wurde vermerkt, A. sei mit dem Hocker herausgezogen worden. Da die HirschQ und besonders der Thresen- und Türbereich nicht sonderlich weitläufig ist, könnte A. den Hocker wieder ergriffen haben, ehe er herausgezogen wurde. A. gab an mindestens sieben Personen gesehen zu haben, die sich vor der Kneipe aufgebaut hätten. Er geht davon aus, dass es mehrere Personen waren, da einige andere Personen in eine andere Richtung blickten, die A. selber nicht einsehen konnte. Ab da hat er kaum noch Erinnerungen. Er gab an, sich noch erinnern zu können, wie er draußen am Boden lag und getreten wurde und dann erst wieder, als er im Rettungswagen aufwachte. Unter Schmerzen machte er seine Aussage bei der Polizei. Als Verletzungen wies er mehrere Prellungen, ein angebrochenes Nasenbein und zwei Stichwunden (Arm und Hüfte) auf. Sechs Wochen lang nahm er Schmerzmittel. Psychologische Hilfe nahm er erst am Anfang diesen Jahres auf. Als Gründe dafür gab er an, dass es lange Wartelisten gab (was offenkundig bei Psychologen kein Geheimnis ist) und durch seinen Wegzug sich auch erst etwas sicherer fühlte. Durch das Aufrollen des Prozesses kam dann aber die Not sich betreuen zu lassen zurück. Während dieser Ausführungen regte sich kaum einer der Angeklagten. Nur Sven K. konnte sich sein Grinsen nicht verkneifen.

Der Zeuge A. erkannte den Angeklagten R. bzw. gab an zu glauben dass er es war. Dies kam bei Befragung auf der Polizeiwache heraus, sowie auch im Gerichtsgebäude. Er erinnerte sich an seine Statur und ein rundliches Gesicht, eine Glatze und eher etwas kleiner. Zwar gab A. an, die Person sei 1.80m groß gewesen und der Angeklagte R. ist nur 1.70m groß (was durch das grundlegend wichtige Beweismittel ‘Personalausweis’ bestätigt wurde), doch bei gerade mal 10cm sollte man wohl keinen Aufriss machen, wenn eine Person unter Schmerzen und Stress stand.

Der Richter verwies auf das Image der Kneipe und erkundigte sich, ob A. deswegen (also vermeindlicher linker Hintergrund) die Kneipe aufgesucht hatte, dieser erklärte dass vorallem die Musik und das Publikum Grund dafür waren. Laut A. befinden sich auch gelegentlich bürgerliche Gäste in der Kneipe und nicht wie sonst im Prozess behauptet nur “Linksextreme”, was Dortmund Nazifrei absolut bestätigen kann.

Auf die Frage, woran er denn erkennen konnte, dass vor der Kneipe Nazis waren, beschrieb der Zeuge A. die Personen mit Bomberjacken, Springerstifeln und Glatzen. Bei dieser Ausführung schien es, als wenn Jan K. für einen kurzen Moment genickt hätte.

Bei der Befragung der Anwälte der Angeklagten musste der Richter öfters intervenieren und die Fragen beanstanden. U.a. wurde vermehrt nachgefragt, was passiert sei, als er auf der Straße war. Zeuge A. gab jedoch mehrmals an daran keinerlei Erinnerungen mehr zu haben. Ein weiterer Anwalt konnte nicht glauben, dass Zeuge A. wusste, dass er von Steifeln getreten wurde. A. gab jedoch an noch am nächsten Tag einen Abdruck eines Stiefels im Gesicht gehabt zu haben. Das Profil einen Springerstiefels sollte wohl nicht mit dem eines Turnschuhs oder eines Absatzschuhs zu verwechseln sein. Die Befragung der Anwälte und die regelmäßige Intervention des Richters sorgten für Erheiterung im Publikum, da viele Fragen schlichtweg nicht zu erkennen gaben, wo die Reise hingehen soll und weder von Nebenanklage, Saatsanwaltschaft noch Richter streckenweise verstanden wurde.

Der nächste Verhandlungstag ist der 23.09.2013 um 10.30 Uhr.

Sie marschieren schon wieder.

Liebe FreundinnKeine Chance farben und Freunde,

es war bereits länger bekannt, nun ist es raus. Auch am kommenden Samstag den 07.09.2013 wollen die Nazis wieder in Dortmund marschieren.

Diesmal hat der Bundesvorsitzende der Partei “Die Rechte”, Christian Worch angemeldet.

Die ursprünglich geplante Route wurde den Nazis offenbar von der Polizei nicht genehmigt, stattdessen wollen sie sich im Kreuzviertel austoben und werden vom Hauptbahnhof über Königswall, Rheinische Str, Möllerstr bis zum Sonnenplatz laufen.

Wir werden ihnen eine gebührenden Empfang bereiten und ihren Aufmarsch kräftig behindern, dazu treffen wir uns am Samstag ab 12:30 im und am Westcenter, Rheinische Str, 53.

Bis 13:00 Uhr findet dort übrigens ein SPD Wahlkampfstand statt, den ihr unbedingt besuchen wollt, um euch über die Bundestagswahl zu informieren,  solltet ihr von Polizisten daran gehindert werden dorthin zu kommen.

Wir sehen uns am Samstag, bringt Lärmgeräte mit.

Dortmund Nazifrei

Dortmund Nazifrei wieder erfolgreich mit Blockade

blockade

Zum zweiten mal nach 2011, als die Schützenstr. über 7 Stunden vor den Nazis blockiert wurde, hat das Blockadebündnis „Dortmund Nazifrei“ erfolgreich geschafft durch Sitzblockaden den Naziaufmarsch erheblich zu stören.

Zuvor hatten wieder viele Prominente, wie der Oberbürgermeister Ulrich Sierau, der Landesarbeitsminister Guntram Schneider und mehrere Landtags-, Bundestags- und Europaabgeordnete den Aufruf von „Dortmund Nazifrei“ zu friedlichen Blockaden unterstützt.

Um 10.15 Uhr gingen 50 blockadewillige Menschen auf die Kreuzung Bremerstraße/Gerichtsstraße und setzten sich auf diese Straßenkreuzung. Damit wurde die direkte Zufahrt zum Gerichtsplatz blockiert, auf dem die Neonazis geplant hatten ihre Auftaktkundgebung abzuhalten.

Trotz mehrfacher Aufforderung der Polizei zum Verlassen der Kreuzung blieben Teile der Blockierer sitzen. Somit konnten die anreisenden Neonazis nicht auf den Gerichtsplatz gelangen und waren gezwungen ihre Auftaktkundgebung unter lautem Protest und in direkter Sichtweite der Kundgebung des Arbeitskreises gegen Rechts auf der Gerichtsstraße an der Ecke Hamburgerstraße abzuhalten. Als die Neonazis um 13.45 Uhr losmarschierten, konnten auch die Blockierer nach 3,5 Stunden wieder aufstehen.

Mit unserem legitimen Protest, haben wir wieder einmal deutlich gemacht, dass wir uns den Nazis entgegenstellen. Wir wollen verhindern das Nazis auf unseren Strassen Rassismus und Verherrlichung des Nationalsozialismus propagieren können. Unsere Blockade und die Aktivitäten vieler anderer Demokraten an diesem Tag, war ein deutliches Zeichen, wie unerwünscht diese braune Bande in unserer Stadt ist.

Aus unserer Sicht haben wir heute eine kooperatives und relativ entspanntes Auftreten der Polizei erlebt. Allerdings kam es wieder einmal an vielen Stellen zu unnötigen Kontroll- und Sperrpunkten, die viele Bürgerinnen und Bürger zu sehr weiten Umwegen gezwungen haben. Besonders unverständlich sind solche Sperren, wenn der Aufmarsch der Nazis längst woanders ist. Hier empfehlen wir der Polizei dringend, im Sinne von Anwohnern und Bürgern dieser Stadt, an ihrem Konzept zu arbeiten.

Wir freuen uns über den großen und vielfältigen Protest der heute zu sehen war. Nur wenige Nazis, verglichen mit den letzten Jahren, waren auf der Strasse. Dafür aber sehr viele Bürgerinnen und Bürger die friedlich protestierten. Wir denken nicht dass damit die Bedrohung, die von Nazis ausgeht kleiner geworden ist. Der Böllerwurf bei dem mehrere Demonstranten verletzt wurden und die Aktivitäten der letzten Wochen haben deutlich gemacht, dass Nazis damit arbeiten Menschen zu bedrohen und anzugreifen, dagegen werden wir auch in Zukunft handeln müssen.

Heute war aber ein Tag an dem den Nazis das Marschieren in unserer Stadt deutlich erschwert wurde und Ihnen damit auch gezeigt wurde: „Wir wehren uns effektiv, aber friedlich“. Vielleicht haben wir heute auch das Ende von großen Naziaufmärschen in unserer Stadt erlebt, denn angesichst der vielen Proteste dürfte den Nazis allmählich der „Spass“ vergehen.

Dortmund Nazifrei wird auch zukünftig versuchen Naziaufmärsche friedlich zu behindern und ggf. zu blockieren, damit irgendwann vielleicht tatsächlich Schluss ist mit diesen Aufmärschen. „Es reicht!“

Bedanken möchte wir uns bei den vielen Unterstützerinnen und Unterstützer. Mit dieser vielfachen Unterstützung wird deutlich, dass Blockade als Protestform eine breite Unterstützung genießen.